Alternative Heilmethoden bei Krebs

Krebs ist eine weit verbreitete, schwere Krankheit. In Deutschland leben rund 1,7 Millionen Krebskranke, deren Diagnose höchstens fünf Jahre zurück liegt. Pro Jahr sterben fast 230.000 Menschen in Deutschland an Krebs. Gerade auch deshalb gerät die Krankheit ins Visier von dubiosen Wunderheilern und e-Book Autoren, die mit dem Leid der Menschen ihr Geld verdienen wollen und alternative Heilmethoden bei Krebs vorschlagen.

Gerade bei der Behandlung von Krebs scheint es viele alternative Heilmethoden zu geben, die eine Heilung ohne Nebenwirkungen und Chemotherapie versprechen. Damit in Zusammenhang stehen oft Verschwörungstheorien über Pharmakonzerne. Welche alternativen Ansätze es insbesondere beim Hodgkin-Lymphom gibt und was ich allgemein von alternativen Heilmethoden in der Krebsmedizin halte.

 

Der Einjährige Beifuß – Kristian Peters

Unterschied zwischen komplementärer und alternativer Therapie

 Zunächst einmal gilt es zwischen verschiedenen Therapieansätzen zu unterscheiden. Die allgemein verbreiteten, auch als „Schulmedizin“ bezeichneten Behandlungsmöglichkeiten, basieren auf wissenschaftlichen Fakten, die über die Zeit hinweg erforscht wurden. Man nennt sie in Fachkreisen auch evidenzbasierte Medizin. Hiervon unterscheiden muss man noch komplementäre Medizin, die die Schulmedizin erweitet. Außerdem will die alternative Medizin eine Alternative bieten. Diese verschiedenen Arten von Medizin schließen sich nicht zwingend gegenseitig aus und können nebeneinander existieren. Oft sind komplementäre Behandlungsweisen zusätzlich zur „Schulmedizin“ durchaus sinnvoll.

Evidenzbasierte Medizin

Die klassische Schulmedizin, auch evidenzbasierte Medizin oder wissenschaftlich fundierte Medizin erhebt die Forderung, dass eine Therapie auf Grundlage von empirisch nachgewiesener Wirksamkeit erfolgen soll. Eine Behandlung findet statt wenn bekannt ist, wann, wie und bei wem sie wirkt (Evidenz: unumstößliche Tatsache, faktische Gegebenheit“). Hierzu werden nach wissenschaftlicher Forschung Studien durchgeführt, um Wirksamkeit, Nebenwirkungen und vieles mehr beurteilen zu können.

Komplementärmedizin

Die Komplementärmedizin kann zusätzlich zur normalen Behandlung eingesetzt werden. Hierbei steht z.B. eine Linderung von Nebenwirkungen im Fokus. Auch das Verhindern eines Rückfalls soll erreicht werden.

Alternative Medizin

Alternative Heilmethoden sollen die „Schulmedizin“ ersetzten und zweifeln oft an der Wirkung der klassischen Therapie. Oft werden wissenschaftlich fundierte Therapien als „nicht wirksam“ oder „gefährlich“ abgetan. In einigen Fällen, je nach Erkrankung, bietet die alternative Medizin vielleicht auch sinnvolle Therapieansätze.

Der Unterschied zwischen komplementärer und alternativer Medizin ist also, dass Letztere eine normale Behandlung komplett ersetzen soll.

Alternative Heilmethoden bei Krebs insbesondere Hodgkin-Lymphom

Misteltherapie

Ein bekannter komplementärer Ansatz bei einer Chemotherapie ist die Misteltherapie. Sie ist eins der am Häufigsten angewandten Verfahren um Nebenwirkungen einer Chemotherapie zu lindern. Die Mistel ist die wohl am Besten untersuchte Heilpflanze. In den meisten Studien konnte die Misteltherapie tatsächlich die Lebensqualität der Patienten während einer Chemotherapie verbessern.

Die Mistel enthält einige Stoffe, die bestimmte Wirkungen im Körper hervorrufen. Viele der Substanzen stimulieren das Immunsystem und aktivieren Abwehrzellen im Körper. Studien wiesen nach, dass eine unspezifische Immunabwehr hervorrufen. Auch wird davon ausgegangen, dass die Mistel eine antitumorale Wirkung hat und Tumorzellen bekämpfen könnte. Der Beweis dazu konnte allerdings noch nicht erbracht werden.

Lymphome und Leukämien sind Krebsarten, die vom Immunsystem ausgehen. Hier entarten Zellen der Immunabwehr. Deshalb kann nicht ausgeschlossen werden, dass durch die Immunstimulation und Aktivierung von Zellen die Krankheit sogar verschlimmert wird.

Behandlung mit einjährigem Beifuß

Der „Einjährige Beifuß“ ist eine Pflanze, die in der Therapie von Malaria verwendet wird. Sie ist in Eurasien von China bis nach Süd-Osteuropa weit verbreitet. In der traditionellen chinesischen Medizin wird das in der Pfanze gebildete Artemisinin schon lange als Mittel gegen Malaria eingesetzt, seit einigen Jahren ist es nun eine von der WHO empfohlene Behandlung dieser Krankheit. 2015 erhielt die Chinesin Youyou Tu für diese Entdeckung den Medizin-Nobelpreis.

Doch nicht nur bei der Behandlung von Malaria wird mithilfe dieser Pflanze geforscht. Auch ist eine wachstumshemmende Wirkung des Inhaltsstoffes auf verschiedene Tumorzellen nachgewiesen. Es gibt hier allerdings noch keine ausreichenden klinischen Studien, sodass die Behandlung momentan nicht außerhalb von klinischen Studien als Standardbehandlung stattfinden sollte.

Heilungsversprechen dubioser Internetseiten und Bücher

Da Krebs eine weit verbreitete, schwere Krankheit ist, die zurzeit nicht immer geheilt werden kann, beginnen sich einige Betroffene nach alternativen Methoden umzusehen, die vielleicht eine Heilung durch alternative Heilmethoden bei Krebs versprechen. Durch das emotionale Thema finden sich auch viele schwarze Schafe im Internet, die eine garantierte Heilung durch bestimmte Therapien versprechen. Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass die Versprechen mehr als unseriös sind.

Bei jeder alternativen Therapie sollte man sich auf jeden Fall eine Meinung eines Arztes einholen und die Versprechen auf der Internetseite kritisch hinterfragen. Wirken die dort genannten „Fakten“ reißerisch, lehnen die Autoren eine Zweitmeinung ab oder versprechen sie eine garantierte Heilung bei jeder Art von Krebs? Dann handelt es sich ziemlich sicher nicht um seriöse Quellen sondern wahrscheinlich um Verkäufer, die mit der Angst und Verzweiflung anderer Menschen Geld verdienen wollen.

Trotzdem schließt das nicht aus, dass auch alternative Ansätze zielführend sein könnten. Ich denke, dass es durchaus sinnvoll sein kann, die schulmedizinische Behandlung nach Rücksprache mit Ärzten mit komplementären Möglichkeiten zu ergänzen. Auch mag es tatsächlich alternative Möglichkeiten geben, Krebs zu bekämpfen und sogar zu heilen. Fraglich ist aber, ob die dubiosen Wunderheiler, die gegen die Pharmakonzerne kämpfen und alles besser machen wollen, dann ein e-Book für viel Geld verkaufen sollten. Wenn sie sich ihrer Sache so sicher wären und ihnen nur das Wohl der Erkrankten am Herzen liegt, könnten sie Ihre Informationen auch frei verfügbar machen. Dazu bedarf es keiner sektenähnlicher Zustände oder Systemkritik, die den Betroffenen nichts außer Angst bringt.

Im Fall des Hodgkin-Lymphoms wäre mir das Risiko einer alternativen Therapie definitiv zu groß, da hier durch evidenzbasierte Therapieformen 94% der Patienten geheilt werden können. Eine alternative Behandlung die nicht wirkt, schafft hier also großen Schaden. Ich habe meine Behandlung auch ohne alternative Methoden gemeistert, wie ihr in meinem Blog lesen könnt.

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