Blutbild-Crash & Nebenwirkungen

Veröffentlicht von Morris am

Die letzten Tage des dritten Zyklus hatte ich mit unerklärlichen Nebenwirkungen zu kämpfen.

Das ganze begann mit der Phase der erhöhten Ansteckungsgefahr. Meine Leukos waren diesmal auf 500 gefallen. Toll – Menschenverbot, auf viele Speisen verzichten und wieder die Zeit damit verbringen, Sachen zu desinfizieren. Dazu dauernd die Anspannung beim Fieber messen. Ständig hoffen, dass das Thermometer bloß nicht zu viel anzeigt. Das ganze dauerte zum Glück wieder nur ein Wochenende, dann war die große Gefahr vorüber. Ich ging also wie sonst auch wieder zur Blutbildkontrolle.

Als ich die Ergebnisse in meinen Händen hatte, fiel mein erster Blick natürlich auf die Leukozyten – 2900, also wieder auf einem guten Weg. Ich war erfreut, bis ich all die Minuszeichen neben all den anderen Werte sah. Was war jetzt denn los? Die beiden ersten Zyklen blieben alle anderen Werte weitgehend stabil, doch jetzt war alles sehr deutlich abgesackt. Der Hämoglobin-Wert fiel von 11 auf 8 und die Thrombozyten auf nur noch 32.000, Erythrozyten auf 2,55. Ich hatte mich schon gewundert, warum ich mich doch deutlich schlapper fühlte als sonst und woher die blauen Flecke auf meiner Haut resultierten. Also recherchierte, was man gegen die schlechten Werte machen konnte, besonders um den Mangel an roten Blutkörperchen und das damit verbundene „Schlapp-Sein“ zu beheben. Dazu fand ich im Internet widersprüchliche Informationen. Oft las ich, Eisen solle helfen, woanders aber, dass dies bei Chemotherapie-Patienten nicht funktioniert. Trotzdem probierte ich es, nahm ein Eisen-Präparat, trank rote Säfte und aß viele eisenhaltige Lebensmittel. Im Nachhinein weiß ich nicht, ob es geholfen hat, aber es fühlte sich vorerst so an.

Herzrasen, Schlappheit und Pochen im Kopf

Es fühlte sich vorerst so an. Die folgenden Tage ging es mir immer schlechter. Es begann damit, dass mein ganzer Körper wieder sehr empfindlich auf Berührungen reagierte. Es war wieder dieses „Phantom-Hämatom“. Dazu kam ein beschleunigter Herzschlag, sobald ich mich bewegte. Das Gefühl kannte ich bereits aus dem zweiten Zyklus, pochender Kopf, Kreislaufbeschwerden bei Bewegung, steigende Körpertemperatur. Bis auf die Temperatur waren alles Symptome für eine Anämie, Blutarmut. Zunächst dachte ich also, dass es daran liegen würde. Dazu passte nicht, dass ich die gleichen Symptome auch im zweiten Zyklus zur gleichen Zeit hatte, obwohl meine Blutwerte deutlich besser waren.

Ich machte mich dann eines morgens auf den Weg in die Onkologie des Krankenhauses, um mein Blut kontrollieren zu lassen. Ich ging von wirklich schlechten Werten aus, noch schlechter als bei der Leukozyten-Kontrolle, da ich mich deutlich schlechter fühlte. Umso größer war die Überraschung, als die Werte deutlich besser waren als zuvor. Das war einerseits schön zu sehen, andererseits war damit das Rätsel meiner Symptome immer noch nicht geklärt.

Ich sollte mich in den Wartebereich setzen und warten, bis die Oberärztin Zeit für mich hatte. Leider war es wirklich extrem voll. So wartete ich zwei Stunden in einem viel zu warmen, stickigen Raum und hatte mehrmals das Gefühl ich würde umkippen, da es mir immer schlechter ging. Das alles nur, damit die Oberärztin meine Theorie, dass alles von der Leukozyten-Aufbauspritze kommt, mit „vielleicht“ abnickt und mir sagt: „Nimm Antibiotika, es könnte ein Infekt sein“. Aha, ein Infekt also. Mit den gleichen Symptomen, dem gleichen zeitlichen Ablauf und ohne erhöhte Entzündungswerte – alles genau wie im zweiten Zyklus. Klingt wirklich mehr als logisch. 

Ich verließ die Klinik also mit der Erkenntnis, dass mir keiner helfen konnte. Alles blieb ungeklärt. Ich war wirklich sauer.

Als ich wieder zuhause war, wurden die Symptome von Stunde zu Stunde immer schlimmer. Mein Ruhepuls lag irgendwann bei 110 Schläge pro Minute, wovon ich jeden einzelnen als stechenden Schmerz in meinem Kopf spürte. Noch dazu hörte ich jeden einzelnen Schlag, was das Schlafen nicht gerade leichter machte. Am späten Abend stieg mein Fieber auf 38,5°, sodass ich mich in der Klinik melden musste. Wirklich helfen konnte die diensthabende Onkologin mir nicht, allerdings sagte sie mir dass es nicht schlimm für mich sei, da meine Leukozyten mit 51.000 sehr hoch waren und somit einen eventuellen Infekt selber bekämpfen könnten. Die Nacht war absolut unangenehm, das Einschlafen wegen des hörbar schnell schlagenden Pulses sehr schwer. Am nächsten Morgen wachte ich noch mit Fieber auf, welches sich aber im Laufe des Tages komplett legte. Auch alle anderen Symptome wurden innerhalb von Stunden besser.


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