Der Buffet-Kampf in der Reha Bad Oexen

Neben Sport und Vorträgen gehörte auch der Kampf um das Essen zum Alltag in der onkologischen Reha

Die JER-Lobby

Der erste Therapietag

Der erste Therapietag begann für mich erst um halb 10, eine sehr angenehme Uhrzeit. Auf dem Programm stand viel Sport, aber auch einige Vorträge und Gruppensitzungen. Die sportlichen Aktivitäten ließen sich zum Teil in eigenem Tempo durchführen (man konnte natürlich selbst entscheiden, ob man lieber joggen oder walken möchte). Glücklicherweise gelang so ein angenehmer Einstieg in das Sportprogramm ohne Überlastung. In anderen Therapien wurde man von den TrainerInnen ordentlich angeheizt, was zunächst für den Ein oder Anderen – auch für mich – gewöhnungsbedürftig war.

Am Ende des ersten Tages war ich ordentlich erschöpft und freute mich auf mein Bett. Mit dem Abendbrot waren die Therapien beendet. Nach einer Dusche trafen wir uns mit einigen unserer Gruppe aber noch in der Lobby, um ein wenig zu quatschen und einen Tee zu trinken. Auch introvertierte Menschen werden durch das Gruppenkonzept schnell integriert und haben keine Probleme, Anschluss zu bekommen.

Angebote

Die Sporttherapien

Auf meinem Plan fanden sich ganz unterschiedliche Sportangebote wieder. Da ich die körperlichen Konsequenzen der Chemotherapie besonders merkte, war es mir wichtig vor allem dort wieder fit zu werden.
So wurden mir im Eingangsgespräch die verschiedenen Sportangebote erläutert. Ich habe ganz naiv überall „Ja“ und „Nehme ich“ gesagt. Die Konsequenz war ausgeprägter Muskelkater nach den ersten Tagen. Ich wollte das Programm trotzdem auch weiter so durchziehen. Relativ schnell schien sich mein Körper an den Sport zu gewöhnen und verschonte mich vor Muskelschmerzen.

Ich war überrascht, wie schnell ich eine Verbesserung spürte, besonders meine Ausdauer verbesserte sich schneller als ich schauen konnte. Um sie zu erhöhen, ging ich auf einem abgesteckten Bereich auf dem Gelände joggen. Ziel ist, den Puls konstant in einem gewissen Bereich zu halten, je nach Alter. Mein Zielpuls lag bei 160 – 170, was für ein Ausdauertraining schon relativ hoch ist. Bei meiner Ankunft schaffte ich es so, 200m (!) zu joggen. Danach war ich fix und fertig, quasi ein Fall für`s Sauerstoffzelt. Nach vier Wochen schaffte ich 5km und musste nur abbrechen, weil die Therapiezeit abgelaufen war.
Es ist beeindruckend, wie schnell der Körper reagiert.

Zusätzlich zum Joggen standen z.B. Wassergymnastik, Bauch- und Rückentraining, Fahrradergometer und Muskeltraining an Geräten auf meinem Plan. Außerdem gab es auch „freiere“ Angebote, wo z.B. Ballspiele gespielt wurden.

Gruppentherapie

Ein Bestandteil des JER-Konzeptes sind Gruppengespräche, die von einer Psychologin betreut werden. Hier wurden verschiedene Themen zur Krankheitsbewältigung, zum sozialen Umfeld, Kinderwunsch und vieles mehr behandelt. Auch wenn die Erkrankung bei mir keine großen Auswirkungen auf die Psyche hatte, ist es dennoch interessant und hilfreich, über solche Themen zu sprechen und die Erfahrungen Anderer zu hören. Natürlich haben wir uns auch außerhalb dieser Gruppensitzungen darüber unterhalten, aber insgesamt war die Erkrankung seltener Thema als man es vermuten würde.
Zusätzlich konnte man Einzelgespräche mit einer Psychologin führen. Auch wenn dies für mich nicht unbedingt notwendig war, ging ich nach dem Motto: „Schaden wird es mir auch nicht.“ Viele angesprochene Dinge lassen sich auch auf andere Lebensbereiche übertragen und sind somit durchaus hilfreich.

Vorträge

Neben Sport und Gruppensitzungen gab es eine Reihe von Vorträgen zu verschiedenen Themen. Mal ging es darum, wie man einen Schwerbehindertenausweis beantragt, mal um Zahlungen, Übergangsgeld und andere finanzielle Aspekte. Diese Vorträge waren sinnvoll und haben gut geholfen, im Wirrwarr von Formularen und Möglichkeiten einen Überblick zu behalten. Außerdem gab es Vorträge zu den speziellen Krebsformen der Betroffenen. Da ich vorher schon sehr gut informiert war, habe ich wenig Neues gelernt. Es wurde einfach und verständlich erklärt, die der Krebs entsteht, wie er behandelt wird und wie die Prognosen für die Zukunft sind. Für Unwissende die eigentlich gar keine Ahnung haben, was sie hatten, waren die Infos gut.
Außerdem gab es Vorträge zur Ernährung, aber wenn man ehrlich ist war viel mehr als „Mehr Gemüse, weniger Zucker“ nicht dabei.

Kampf am Buffet

Apropos Essen: Dies schien besonders für viele ältere Leute das absolute Highlight des Tages zu sein. Besonders Abends, wenn quasi alle gleichzeitig Speisen wollen, herrschte regelrecht Krieg um die besten Speisen. Einige schienen schlicht zu meinen, sie würden verhungern, wenn sie zu spät zum Buffet gelangen würden. So kam es, dass sich schon um 17 Uhr eine Schlange vor dem Speisesaal bildete wie bei einem guten Konzert. Ich saß mit ein paar Leuten in sicherem Abstand und konnte die Situation gut beobachten. Je näher die Uhr sich der 17:30 näherte, desto unruhiger wurde die Meute. Menschen versuchten, sich von der Seite weiter nach vorne zu drängeln oder durch den „Rollator-Bonus“ an Positionen zu gewinnen.

Mittlerweile war es 17:29 Uhr und die ersten Leute guckten nervös auf ihre Armbanduhren. Es herrschte dichtes Gedränge, die Stimmung schien zu kippen. Die Zeit verstrich‘ und es wurde 17:33 Uhr, als die Türen zum Speisesaal endlich geöffnet wurden. Beschwer-Bernd kommentierte die Öffnung der Türen mit einem „HEUTE SIND WIR ABER DREI MINUTEN ZU SPÄT!“ und Rollator-Rudolph ließ die Mitarbeiter gar nicht erst an die Tür.

Dann begann der Sturm auf die Buffets. Es gab neben den normalen abendlichen Buffets noch übrig gebliebenes Gyros vom Mittagessen. Was meint ihr, wie schnell Rollator-Rudolph auf einmal rennen kann…
Natürlich gab man sich auch nicht mit einem Teller voll Gyros zufrieden, ich habe Leute gesehen die auf ihrem Gyrosteller einen Gyrosteller gestapelt hatten. Darauf stand dann noch eine weitere Schale mit Gyros. Rollator-Rudolph ging mit 4 Tellern, alle gestapelt auf der Sitzfläche seines Gefährtes, vom Buffet.

Außerdem schien das ungeschriebene Gesetz zu gelten: Ich bin alt, ich habe Vorrang. Natürlich wurden diese Leute häufiger auf ihr Fehlverhalten angesprochen, aber geholfen hat das nicht.

Infos über die Junge-Erwachsenen-Reha in Bad Oexen findet ihr hier: Klick

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