Voruntersuchungen und die Diagnose Hodgkin-Lymphom

Veröffentlicht von Morris am

Mit diesem Ergebnis wurde ich also wieder zu meiner Hausärztin geschickt, die mir schon vor meinem Erscheinen einen Termin in der Onkologie der Klinik in meiner Nähe besorgt hatte – am selben Tag. Dort angekommen gegrüßte mich ein voller Wartebereich mit vielen Glatzen und Mundschutzen, die perfekte Begrüßung für einen jungen Patienten mit Verdacht auf eine Krebserkrankung. Nach einiger Wartezeit begrüßte mich die Oberärztin und nahm sich sehr viel Zeit für mich. Man war sich sehr sicher, dass es sich tatsächlich um ein Hodgkin-Lymphom handelt, und so wurde ich einmal durch das ganze Krankenhaus zu allen möglichen Untersuchungen geschickt, bevor eine endgültige Diagnose feststand. Diese sollte mit einer Biopsie eines Lymphknotens erfolgen.

Zunächst aber musste ich zum Kardiologen, Hals-, Nasen-, Ohrenarzt, nochmal ins MRT, CT, zum Lungenfacharzt und natürlich immer wieder in die Onkologie.

Dort wurde auch eine Knochenmarkpunktion durchgeführt, wobei ein kleiner Zylinder aus dem Beckenkamm gestanzt wird – natürlich mit örtlicher Betäubung. Dies wird gemacht um zu prüfen, ob das Knochenmark, also das blutbildende System, von Krebs befallen ist. Ein bisschen unangenehm ist es, man spürt ebenfalls einen Schmerz, wenn der Zylinder gezogen wird und die ganze Zeit einen unangenehmen Druck. Die Punktion an sich überstand ich ziemlich gut, doch nach 30 Minuten verabschiedete sich aus welchem Grund auch immer mein Kreislauf für einen kurzen Moment. Ich wurde auf eine Liege gelegt und zu den anderen Tagesklinikpatienten in einen Raum gefahren. So lernte ich schonmal die Umgebung kennen, in der ich in den nächsten Monaten viel Zeit mit Infusionen verbringen würde. Nach einer Stunde konnte ich, noch etwas schlapp auf den Beinen, mich mit meinen Eltern auf den Weg nach Hause machen. Mein Kreislauf brauchte seine Zeit und ich war den ganzen Tag über sehr schwach.

Zwei Tage später stand die Lymphknoten-Entfernung an, ebenfalls in örtlicher Betäubung. Da ich die Sorge hatte, mein Kreislauf könnte wieder schlapp machen, entschied ich mich, eine Nacht stationär zu bleiben. Nachdem ich mich bei der Patientenaufnahme angemeldet hatte (mit langer Wartezeit, was auch sonst…) konnte ich in mein Zimmer auf der Hals-Nasen-Ohren-Station. Dort wurde mir von einer Krankenschwester direkt ein OP-Hemd gegeben und ich kurze Zeit später auch schon abgeholt. Ich wurde mit meinem Bett in den OP-Bereich gefahren und fühlte mich deutlich kranker als ich war. Den Weg hätte ich auch selber laufen können… Nach kurzer Wartezeit im Aufwachraum wurde ich dann in den OP-Saal gefahren, wo ich mich auf den Tisch legte. Dann begangen die unspektakulären Vorbereitungen: Desinfizieren, Abdecken der Umgebung und kurze Infos über den Eingriff. Außerdem bekam ich eine Heizdecke damit ich nicht frieren musste. Die OP an sich ging sehr schnell, die Vorbereitung dauerte wesentlich länger. Der Schnitt, das Entfernen des Lymphknotens und das Nähen dauerte laut Arzt 12 Minuten. Gemerkt habe ich nicht viel, nur ein etwas unangenehmes Gefühl beim Herausschneiden des Lymphknotens, da der Arzt dafür ein bisschen daran ziehen musste.

Anschließend verbrachte ich den Tag erst mit Musik im Bett, später ging ich in den Aufenthaltsraum. Ich hatte leichte Schmerzen und wollte eigentlich kein Schmerzmittel nehmen, tat es aber auf anraten der Krankenschwester dann doch. Am Abend entschied ich mich, mich zu entlassen, da ich mich ganz normal fühlte und gerne nach Hause wollte. Am nächsten Tag hatte ich keine Schmerzen mehr, bewegte meinen Kopf allerdings noch etwas unnatürlich.

Dann hieß es erstmal warten… und natürlich im Internet recherchieren, was auf mich zukommen würde. Ich hoffe ich kann hiermit meinen Teil dazu beitragen, anderen Betroffenen zu zeigen was auf sie zukommt und auch Mut zu machen. Nach gut einer Woche stand dann das Ergebnis fest: Hodgkin-Lymphom. Das war für mich keine Überraschung mehr, deshalb konnte ich es gut wegstecken. Schlimmer war dann doch, dass die Bilder des CT und MRT vermuten ließen, dass es sich nicht um ein niedriges Stadium handelt, wie ich innerlich doch gehofft hatte.

Darüber sollte ein PET-MRT Aufschluss geben, welches am nächsten Tag nach meinem Besuch in der Onkologie stattfand. Hierbei wird ein MRT fast des gesamten Körpers angefertigt und mit Bildern des PET überlagert. Beim PET wird ein radioaktiv markierter Zucker gespritzt, der sich nach einiger Zeit in den Krebszellen anreichert und sie somit zum leuchten bringt. Man kann dann genau sehen, wo im Körper sich Krebszellen befinden. Da man bei diesem Verfahren nüchtern sein muss, damit das Ergebnis nicht verfälscht wird (durch Zucker in der Nahrung), findet es in der Regel morgens statt. Das hieß für mich wieder sehr frühes Aufstehen. Nach einem kleinen Vorgespräch mit dem Arzt, wurde mir der radioaktive Zucker gespritzt. Danach dauert es etwa eine Stunde, bis es sich in den Krebszellen angereichert hat. Um den Vorgang zu Beschleunigen, sollte ich sehr viel trinken. Die Zeit musste ich in einem speziellen Wartebereich verbringen, da ich nun ja radioaktiv verseucht war. An der Tür hing ein Hinweisschild für die Feuerwehr, dass eine besondere Gefahrengruppe handelt und Schutzausrüstung nötig wäre.

In der „Röhre“ dauerte es dann ebenfalls eine Stunde, bis alle Bilder aufgenommen waren. In dieser Zeit durfte ich mich natürlich nicht bewegen und bekam zwischendurch auch Atemkommandos. Ich konnte aber relativ gut „dösen“, weshalb die Zeit recht schnell vorbei war.

Anschließend hieß es wieder „warten“, bis der Arzt die Bilder ausgewertet hatte, zumindest soweit, um ein erstes Ergebnis liefern zu können. Bei 2000 Bildern konnte er natürlich nicht alle innerhalb einer Stunde auswerten, aber trotzdem schon ein Ergebnis liefern. Die Besprechung bestätigte die Vermutung es sich um ein höheres Stadium handelt. Die Auswertung ergab neben Krebszellen in den Lymphknoten am Hals und im Oberkörper, auch einen Lungenbefall. Dadurch würde ich in Stadium IV BE eingestuft…


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