HD21 Studie – German Hodgkin Study Group

Wie bereits in meinen anderen Beiträgen angesprochen, werde ich im Rahmen der HD21 Studie der „German Hodgkin Study Group“ behandelt. Dort wird das heutige Standard Therapieschema BEACOPPeskaliert mit einem neuen Schema BrECADD verglichen. Hier möchte ich kurz erklären, was die Unterschiede sind, wie man in die Studie aufgenommen wird und ob man teilnehmen sollte…

Studienziel

Das Ziel der Studie ist es, durch das neue BrECADD Schema die Lebensqualität der Betroffenen, vor allem durch geringere Nebenwirkungen (auch im Langzeitbereich) im Vergleich zur Standardtherapie BEACOPPeskaliert, zu reduzieren. Außerdem soll die bereits sehr gute Wirksamkeit erhalten bleiben.

Wer kann aufgenommen werden?

Die Studie richtet sich an Patienten mit erstmalig diagnostiziertem Hodgkin-Lymphom in fortgeschrittenen Stadien. Diese sind Stadium III / IV oder IIB, wenn ein großer Mediastinaltumor und oder Befall nicht lymphatischem Gewebes vorliegt. Aufgenommen werden können dann Patienten zwischen 18 und 60 Jahre, die keine Begleiterkrankungen haben welche eine protokollgerechte Therapie nicht erlauben.

BEACOPP eskaliert vs. BrECADD

Die wichtigsten Unterschiede im Überblick.

BEACOPP eskaliert

Die Standardtherapie in fortgeschrittenen Stadien erfolgt bereits sehr lange nach dem BEACOPP eskaliert Schema. Die Therapieergebnisse und Prognosen sind sehr gut, die meisten Patienten können geheilt werden. Dabei werden folgende Medikamente verabreicht:

  • Cyclophosphamid (1250mg/m², i.v., Tag 1)
  • Etoposid(phosphat) (200 mg/m², i.v., Tag 1-3)
  • Adriamycin (Doxorubicin) (35 mg/m², i.v., Tag 1)
  • Procarbazin (100 mg/m², p.o., Tag 1-7)
  • Vincristin (Oncovin) (max. 2 mg, i.v., Tag 8)
  • Bleomycin (10 mg/m², i.v., Tag 8)
  • Predniso(lo)n (40 mg/m², p.o., Tag 1 – 14)

BrECADD

Das neue Schema BrECADD wird von der German Hodgkin Study Group im Rahmen der HD21 Studie erforscht. Hierbei werden folgende Medikamente verabreicht:

  • Brentuximab Vedotin(1,8 mg/kg, i.v., Tag 1)
  • Etoposid(phosphat) (150 mg/m², i.v., Tag 2-4)
  • Cyclophosphamid (1250 mg/m², i.v., Tag 2)
  • Adriamycin (Doxorubicin) (40 mg/m², Tag 2)
  • Dacarbazin (250 mg/m², Tag 3-4)
  • Dexamethason (40 mg/m², oral, Tag 2-5)

Ablauf der Therapie

GHSG Patienteninformation über den Ablauf der Therapie

Der Ablauf der Therapie ist nach der randomisierten Aufnahme in einen der beiden Therapiearme gleich. So erhalten Patienten jeweils 6 Zyklen der einen oder der anderen Therpie. Allerdings wird nach zwei Zyklen mittels PET-CT oder PET-MRT geschaut, ob die Krebszellen noch stoffwechselaktiv sind. Ist dieses Zwischenstaging (Untersuchung des Ansprechens des Lymphoms auf die Therapie) negativ, so bekommt man insgesamt nur 4 Zyklen Chemotherapie, also zwei weitere. Ist das PET positiv, so erhält man weitere vier Zyklen.
Nach Beendigung der Chemotherapie wird ein erneutes Staging durchgeführt. Patienten, die noch stoffwechselaktive Lymphome haben, werden bestrahlt, ansonsten ist die Therapie beendet.

Sollte man an einer Studie teilnehmen?

Schon bevor mir keine Onkologen eine Teilnahme empfohlen haben, hatte ich mich bereits im Internet über die HD21 Studie informiert. Ich wusste bereits von der Möglichkeit und habe für mich selber nur Vorteile gesehen, egal ob ich mit dem neuen Schema oder der Standardtherapie behandelt werde. Ich hätte die Chance gehabt, neue Medikamente, die bereits bei Rezidivpatienten eingesetzt werden, zu bekommen. Diese hätten den Vorteil, weniger starke (Langzeit-) Nebenwirkungen zu bekommen. Dabei bleibt die Heilungsrate weiterhin sehr gut.

Doch auch in dem Arm der Studie, wo mit der Standardtherapie behandelt wird (um die Ergebnisse zu vergleichen), gibt es Vorteile. Durch die Betreuung der Studienzentrale befassen sich noch einmal mehrere zusätzliche Augen mit PET-Bildern und den Patienten. Viele Augen sehen mehr als wenige, dadurch fühle ich mich gut aufgehoben.
Ein großer Vorteil ist auch, dass die Therapie bei gutem Ansprechen auf vier Zyklen reduziert wird. Dadurch lässt sich eine Übertherapie, die vielleicht zu Nebenwirkungen führt, vermeiden.

Letztendlich muss jeder selber entscheiden, ob er an einer Studie teilnehmen möchte. Die Daten werden alle vertraulich oder anonymisiert behandelt und die Teilnahme hilft, die Therapie weiter zu verbessern. Gerade als Betroffener ist es also schön zu wissen, seinen Teil dazu beizutragen, die Therapie für zukünftige Patienten angenehmer zu machen.

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