Morbus Hodgkin – Von den Symptomen zur Vordiagnose

Veröffentlicht von Morris am

Der Weg zur Diagnose dauerte am Anfang ziemlich lange, später ging es dann ganz schnell. Bereits im Dezember 2017 merkte ich, dass irgendwas nicht stimmt. Meine Beine juckten extrem, zum Teil so stark, dass ich nachts aufwachte. Irgendwann waren sie komplett blutig gekratzt und im Nachhinein ist es ein Wunder, dass keine Infektion irgendeine Entzündung hervorgerufen hat. Ich hatte vom Kratzen richtig tiefe Löcher in der Haut, die bis auf das Fleisch gingen. Nachts kratzte ich mich extrem, die Handschuhe die ich trug zog ich mir im Schlaf aus oder kratzte sie einfach durch – bis sie Löcher hatten.

Am Anfang dachte ich noch, dass trockene Haut die Ursache ist, wie man es im Winter manchmal hat. Als es auch im Frühling nicht besser wurde ging ich zum Hautarzt. Dieser schien sich keine Zeit für mich nehmen zu wollen, verschrieb mir eine Salbe die zwar gegen die Wunden gut half, aber die Ursache nicht bekämpfte. Ich ging zu einem Allgemeinmediziner, der auch keine Ursache erkennen konnte. Er vermutete Krätze, was ich persönlich nicht glaubte, da das Hautbild nicht stimmte. Allerdings war dies ein Strohhalm, an den man sich klammern konnte. Ich bekam ein Mittel, mit welchem ich mich drei Tage lang am gesamten Körper eincremen musste und welches auf den Wunden ziemlich doll brannte. Auch dies half natürlich nicht, die Ursache war ja eine ganz andere.

Anfang August 2018 ging ich zu einem weiteren Hautarzt, welcher sich viel Zeit für mich nahm. Er sagte gleich, dass es viele Ursachen haben kann und dass es vielleicht nicht ganz einfach wird, diese zu finden. Ich bekam Cortison und nachdem anhand meiner Blutwerte festgestellt worden war, dass mein Entzüngungswert CRP deutlich zu hoch war, auch zwei Antibiotika. Diese vertrug ich zunächst überhaupt nicht gut, sodass die Präparate getauscht werden mussten.

Außerdem machte er viele Allergietests mit mir (die allesamt negativ waren) und nahm mir ein weiteres mal Blut ab. Meine Leukozyten waren viel zu hoch und wie gesagt, der CRP-Wert. Der Hautarzt sagt mir ich müsse zu einem Hausarzt, die Sache abklären lassen. Das tat ich natürlich (wie das mit 20 so ist) nicht. Etwas später bemerkte ich auf einmal seltsame Knubbel an meinem Hals. Als ich abends in Bett gegangen war, konnte ich sie nicht wahrnehmen, am nächsten Tag waren sie auf einmal da. Sie müssen also relativ schnell gewachsen sein. Da ich zu der Zeit Probleme mit meinem Nacken hatte dachte ich, dass es sich zum Verspannungen handelt. Als die Knubbel nach zwei Tagen größer wurden, zeigte ich sie meinem Hautarzt, wo ich sowieso einen Termin hatte. Er sagte mir, dass das geschwollene Lymphknoten wären und ich damit zum Hausarzt gehen sollte. Dies wollte ich natürlich zunächst auch nicht, es tat mir nicht weh und störte mich nicht. Auf drängen meiner Mutter ging ich dann doch. Bei der Ärztin war ich ganz neu, aber sie kümmerte (und kümmert sich auch heute noch) super. Als die Knubbel nach einer Woche nicht weg waren, schickte sie mich ins MRT. Ich bekam durch meinen Versichertenstatus zum Glück einige Tage später einen Termin, ansonsten hätte es bis Mitte November gedauert (es war Anfang September).

Durch meine Recherchen im Internet bereitete ich mich schon ein bisschen vor, da ich keine Infektanzeichen hatte und geschwollene Lymphknoten somit keine gute Prognose waren. Über Hodgkin las ich zu der Zeit allerdings nicht, ich hatte die Sorge, dass es eine Leukämie-Form ist.

Am 30. September war also mein MRT-Termin. Hier wurde der Kopf- und Halsbereich genauer untersucht. Anschließend fand ein Gespräch mit der Ärztin statt, die nicht nur gute Nachrichten für mich hatte. Auf den Bildern war auch ein Teil des Oberkörpers zusehen und auch hier waren viele Lymphknoten – z.T. bis 10cm angeschwollen. Natürlich konnten die Bilder keine endgültige Diagnose liefern, aber sie war sich relativ sicher, dass es sich um ein Hodgkin-Lymphom handelt: „Ihr Alter und die Bilder passen“.

Der große Schock bei mir blieb aus, ich hatte mit sowas schon irgendwie gerechnet. Meine erste Frage war natürlich trotzdem: „Falle ich davon in zwei Jahren tot um?“, gefolgt von der Zweiten: „Fallen meine Haare aus?“. Meine Fragen wurden mit „Nein, um Gottes Willen“ und „Ja, wahrscheinlich“ beantwortet. Okay, damit kann ich leben.


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